Mein Ordinationsspruch

„Tröstet, tröstet mein Volk!“ ,

diese Mission gibt Gott den Priestern Israels im Jesajabuch 40,1. Er fordert es auch von uns,  dem Priestertum aller Getauften. Nicht nur ein Priester, nicht nur eine Pfarrerin, sondern alle gemeinsam sollen Gottes Volk trösten. Verzweifelten freundlich zureden, Traurigen Gottes gute Nachrichten nahe bringen.

Aus meinem Auslandstudium in Philadelphia in den USA ist mir eine Diskussion zwischen angehenden Pfarrern und einem Professor nie aus dem Kopf gegangen. Er fragte: „Woran erkennt man die guten Nachrichten Gottes, das Evangelium?“ – Und unsere Antwort darauf war:  „Am Trost. Da wo Menschen getröstet werden, da ist das Evangelium, da ist Gott.“ Und er sagte: „Also geht zu den Menschen:  ‚Comfort, o comfort my people‘.“

Auf Englisch wird deutlich, wie gut sich dieser Trost anfühlt. Trost schenkt „Komfort“  im Leid, federt ab, wärmt und heilt, gibt Hoffnung und lässt Kräfte wachsen.  Gottes Menschen so zu trösten, das ist Auftrag aller Priester und Priesterinnen, aller Christen und Christinnen. Aber nicht alle haben die gleichen Aufgaben in dieser Mission Gottes, weil nicht alle die gleichen Gaben haben. Die eine tröstet mit Musik, der andere damit, dass er sich um die Finanzen des Gemeindelebens kümmert. Andere bereiten den Kindergottesdienst vor oder besuchen die Kranken und Einsamen.

Seit fast vierzehn Jahren prüft die Evangelische Kirche von Westfalen, ob meine Gaben ausreichen, als Pfarrerin zu trösten. Also als Pfarrherrin. Kein schönes Wort, aber vielleicht doch eine ehrliche Amtsbezeichnung. Pfarrer und Pfarrerinnen sollen zwar niemanden beherrschen, sind aber zu großen Teilen verantwortlich für das, was geistlich aber auch organisatorisch in den Gemeinden passiert. Unbestritten sind selbstbewusste und kompetente Presbyterien und Gemeindemitglieder in diesen Fragen ebenfalls unersetzlich für eine Gemeinde in einer presbyterial-synodal organisierten Kirche. Aber wenn es darum geht, wer das Predigtamt, die Seelsorge und den Unterricht hauptamtlich übernimmt, besteht die Evangelische Kirche von Westfalen darauf, dass ihre Pfarrpersonen wissenschaftlich ausgebildet und für die Praxis der Gemeinde ausgebildet und vor allem geeignet sind.

Ich meine, ob ich geeignet bin, dass wird erst die Zeit zeigen, aber durch meine Amtsjahre will ich mich davon tragen lassen, nicht allein zu sein in diesem „Comfort-Giving-Business“ und nie zu vergessen, dass es dabei weder um Zahlen geht noch darum, dass ich der Trost wäre. Ich soll nur trösten, das ist Aufgabe genug.