Ziehen lassen

„Lass mein Volk ziehen.“

Ein alter, vermutlich dunkelhäutiger Mann, hält keine schlechte Rede.

Aber sie wirkt nicht.

Nur eins wirkt. Immer wieder.

Wasser zu Blut.

Nicht Wasser zu Wein.

Nicht Frösche zu Prinzen.

Nicht Stechmücken, Fliegen, Seuchen und Geschwüre.

Nicht Hagel, Heuschrecken oder Finsternis.

Der Tyrann lässt die Israeliten nicht ziehen.

Also Blut zu Türpfosten.

Und Blut zur Erde.

Bis er befiehlt: „Lass dein Volk ziehen.“

Und sie ziehen in die Freiheit.

Singend: Gott hat mir Kraft gegeben und mich froh gemacht.

Tanzend: Gott ist erhaben.

Durch das Meer, durch die Wüste.

Suchend nach Wasser.

Bitter zu süß.

Suchend nach Brot.

Vom Himmel.

Für den 7. Tag nicht zu sammeln, nur zu erwarten.

Sich reinigend und enthaltend.

Wartend auf die Regeln des Lebens.

Lassen sie den alten, vermutlich dunkelhäutigen, Mann auf den Berg ziehen.

Vertrauen wagend und riskierend und brechend.

Schließen sie den Bund.

„Ihr seid mein.“

„Du bist unser Gott allein.“

Und Gott lässt sie immer wieder ziehen.

Bis sie sich wieder zu ihm zurückziehen lassen.

Denn Freiheit lässt ziehen.

Durch Meere und Wüsten bis zum heiligen Berg und ins verheißene Land.

Zieh auch du:

tanzend, singend, suchend,

dürstend, hungernd, vertrauend.

Die Grenze wahrend: Blut niemals zur Erde.

Und lass dich ziehen von Gott allein.

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