2020

Ein Old School Jahresrückblick

2020

Du Jahr meines Lebens.

Du hast mir nicht geschenkt, was ich mir am meisten wünsche.

Nicht mal eine Person in Hamm, mit der ich einfach nur keine Pfarrerin sein kann.

Aber ich habe auch nicht meine Seele verloren.

Als die Isolation sich in mein Leben schlich,

getarnt als Verantwortung (die ich gerne trage)

und ich sie mit Alleinsein verwechselte.

Als sie ihre hässliche Fratze zeigte,

weil ich kein anderes Gegenüber mehr hatte.

Als die Einschränkungen der Schutzverordnungen mich ohnmächtig machten.

Und ich You-Tube Videos guckte.

Über Hausrenovierungen.

Über Hunderettungen.

Über Gemeinschaft unter Soldat*innen in Kriegsgebieten.

Happy Ends in ein paar Minuten. Immer wieder. Eins nach dem anderen.

Aber keins meins.

Manche Kämpfe führst du alleine,

egal ob du den besten Rettungshund hast oder das schönste, renovierte Häuschen.

Manchmal hilft nur Medizin.

Und sich Zeit kaufen.

Und ein Kind retten.

Und sich keine Mühe mehr geben.

Und ein Flirt.

2020

Du Jahr meines Lebens.

So viele Pläne hatte ich.

Aber ich weiß jetzt mehr über mich.

Ich bin Designerin, ich finde Lösungen.

Ich bin eine Quatschkugel, ich finde Humor.

Ich bin kein Digital-Native, aber ich finde Formen.

Ich bin ein Adventsmensch: Ich brauche Planungen und Vorfreude.

Selbst Weihnachten „absagen“ oder verschieben fällt mir kinderleicht.

Ich bin ein Workaholic und vielleicht ist es das Klügste, was ich 2020 sein konnte.

2020

Du Jahr meines Lebens.

Eine zärtliche Nacht.

Ein Ostern mit süßem Lamm.

Ein Eis in Bad Salzuflen.

Farbe auf meinem Spitzboden.

Masters of Sex in Levern.

Würstchen in Bielefeld. Und rückwärts einparken auch.

Schwere Steine in Villigst.

Mehr Steine auf meiner Terrasse.

Ein Blumenstrauß im Päckchen.

Ein Fahrrad, ein Anhänger, ein Büro.

Ein Geheimgang in Nortorf.

Porzellan im Urlaub.

Ein kindliches „Ichliebedich“  als Sprachnachricht.

Umräumen, abschneiden, ansprühen.

Zunehmen, fasten, neue Klamotten kaufen.

Kleine Falten, weiße Haare, keine Schwerkraft.

So viele Überraschungen vor meiner Tür.

Cappuccino trinken mit Freund*innen.

Essen mit Familie.

Singen und Beten im Internet.

Immer wieder gegenhalten und nicht reinpassen.

Hart arbeiten. Hart ruhen.

2020

Du Jahr meines Lebens.

Ich habe nix und niemand verloren dieses Jahr.

Niemand, den oder die ich liebe.

Nicht meine Gesundheit.

Nicht meinen Glauben.

Nicht meine Kreativität.

Nicht meine Motivation.

Nicht mal wirklich meine Professionalität und auch nicht meine Integrität.

Und keinen meiner Wünsche.

Nicht meine Existenz oder mein Einkommen.

 (Und leider auch wieder keine Privilegien.)

2021

Mein Kalender mit deinen Tagen ist voll.

Ich habe aber nur mit Bleistift geschrieben.

Du kannst also kommen, wie du bist.

Leise ohne Böller, bitte.

Ich komme allerdings auch so, wie ich bin.

Ich hinke dir entgegen, links gesegnet (1. Mose 32)

rechts Perla an der Leine.

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