Ich träume.

Von einer Kleinen Kirche. Einführungspredigt 12.11.17 Jugendkirche Hamm

Ich träume.
Von einer Kirche, in der ein alter Mann in den Kindergarten geht und einem Kind von Jesus erzählt, so, dass sie niemals mehr genug davon bekommt.

Ich träume.
Von einer Kirche, in der der Jugendmitarbeiter zu dem Mädchen, die vor lauter Neurodermitis lieber nicht gekommen wäre, leise sagt: „Ist gar nicht so schlimm, ich hab das auch.“ Und sie auch deshalb wieder kommt.

Ich träume.
Von einer Kirche, in der der Pfarrer die Konfirmandin den Psalm aussuchen und mit der ganzen Gemeinde beten lässt, damit genau dieses Gebet sie nie wieder loslässt.

Ich träume.
Von einer Kirche, in der Jugendliche Andachten und Gottesdienste vorbereiten, auch wenn sie noch gar nicht genau wissen, was sie da tun, denn sie lernen das schon dabei.

Ich träume.
Von einer Kirche, in der der Jugendreferent zu der jungen Frau nur sagt: „Gut, du kannst deine Meinung ja noch ändern.“ als sie erklärt, dass sie natürlich mit Sex bis zur Ehe wartet.

Ich träume.
Von einer Kirche, in der eine schwarze arme Frau in South Carolina einer jungen Theologiestudentin sagt: Du wirst Pfarrerin, ganz sicher. You will get your congregation, I know it.“

Ich träume.
Von einer Kirche, die schweigt, wie die Quäker in Philadelphia und nur EINE den erlösenden Satz sagt: Ich sehe euren Schmerz. Damit man es wagt: zusammen leise weinen.

Ich träume.
Von einer Kirche, in der ein Kind eine Pfarrerin bei ihrer Ordination segnet.

Ich träume.
Von einer Kirche, in der es manchmal Funktionspfarrstellen regnet.
Auch für die Frauenarbeit.
Damit man einer, die sich damit auskennt,
erzählen kann, was an der Uni passiert ist.
“Nur“ Belästigung, aber mit Extraportion Ohnmacht und Angst.#metoo.
Wie danach wieder lachen?

Ich träume.
Von einer Kirche, in der es Funktionspfarrerinnen gibt, die dann mit Gott
aus Staub und Dreck Gold machen.

Und sagen: Komm mal mit, du bist nicht allein.
Das ist deine Kirche, das ist der Westfälische Theologinnentag und das der Frauenausschuss.

Da gehst du hin und zeigst dich mal und das,
was du kannst.

Und ICH gehe und halte eine Andacht.

Über meine Kirche.
Und sie wird veröffentlicht.
Und ich darf zum Casting für 1LIVE
und zum WDR in die Religionsredaktion für ein Jahr und sowieso geht plötzlich eine Tür nach der anderen auf.
Und die der Jugendkirche irgendwann auch.

You make golden things out of the dust,
you make beautiful things out of us.

Ich träume.
Von einer Kirche, die manchmal staubig-dreckig, manchmal goldig schön ist.
In der Gott das eine in das andere verwandelt.
Ich träume von dieser Kirche, weil ich sie so kenne und liebe.
Und ich sehne mich danach, dass sie wieder so wird. Immer wieder.
Ich träume von einer Kirche, wie Gott sie verspricht:

„Es wird geschehen, dass ich meinen Geist und meine Kraft auf alle Menschen ausgieße.
Eure Söhne und Töchter werden prophetisch reden,
eure Alten werden Träume haben
und eure Jungen Visionen.“

Das ist eine Kirche voller Elis und Samuels.
Eine Kirche voller Kinder und Jugendlichen und Erwachsenen und alten Menschen,
männlich und weiblich und alles,
armen und gebildeten, stillen und gut vernetzten.
mit Pfarrerinnen und Pfarrern,
mit Jugendreferentinnen,
Gemeindepädagogen und Diakoninnen,
und Ehrenamtlichen oder Freiwilligen und sonst wie Berufenen –
-die einander sich
und ihre Visionen und Träume zeigen.
Und damit Gott – und was jetzt passieren soll.
Und wenn es erst beim dritten Anlauf klappt.
Eine Kirche voller Elis und Samuels ist keine perfekte Kirche.
Das waren Eli und Samuel auch beide nicht,
weder für ihre Familien noch für das Volk Israel.
Und für Gott schon gar nicht. Im Gegenteil.
Aber Samuel konnte
mitten in der Nacht
drei Mal bei Eli anklopfen
und Eli hat Samuel 3 Mal aufgemacht
und ihm zugehört,
auch wenn es zuerst eigentlich nach „viel Staub um Nichts“ aussah.

Und Eli konnte zu Samuel kommen und ihn bitten ehrlich zu sagen, was er von Gott erfahren hat.

Und Samuel hat seinen Mut zusammen genommen und es ihm erzählt.

Und Eli hat Samuel und sein Wort ernst genommen, wahrscheinlich auch, weil er das schon mal von Gott gehört hatte, nur verdrängt, bis Samuel ihn noch einmal daran erinnert hat.

So wird aus Staub um Nichts Gold.
Man nehme:
Gott und zwei Menschen, jung oder alt,
männlich oder weiblich, die zueinander kommen.
Und A erzählt, was passiert ist.
Und B hört zu und sagt, was sie davon weiß.
Und A probiert das aus.
Und B geht diesen Weg mit.

Man nehme Gott und zwei Menschen und ganz viel Vertrauen und man bekommt eine Kirche.

So eine Kirche ist keine große Kirche,
Sie ist erstmal „nur“ zu zweit, eine Kleine Kirche.
Aber im Kleinen beginnen die großen Dinge.
Nur zu zweit kann man erstmal sagen und zeigen,
was so tief geht
wie zum Beispiel sexuelle Belästigung.
Oder was so unglaublich ist,
wie eine Berufung von Gott
oder eine Vision für diese Kirche.

Ich träume von einer Kleinen Kirche,
damit dort Großes geschieht.
Aber ich träume so sehr davon,
dass ich will, dass das wahr wird.
Ich will richtig viel Kleine Kirche.

Ich will VIEL von so einer Kirche,
in der ich mal Eli UND mal Samuel bin.
Und ihr alle auch.
Mal Eli, mal Samuel. Und das oft.
Viel Kirche, in der wir manchmal nur zweit sind
und erzählen, was passiert ist,
weil so neue Wege beginnen.

Viel Kirche, in der wir, auch wenn wir mehr sind als zwei, fast genauso viel Vertrauen haben.
Ich will viel Kleine Kirche
und das heißt viel Staub und Dreck
und viel Gold und Gott.
Das ist mein Traum.
Und der geht ab heute mit euch mit,
Meine Träume
begleiten eure Visionen
auf unserem Weg.

Die Jugendkirche soll weiterhin ein Ort sein und werden, an dem ihr macht, was euch gefällt.
Weil das nicht nur irgendwas Beliebiges ist,
nicht nur Mode oder nur Zeitgeist.
Das, was euch gefällt, das, wonach ihr euch wirklich sehnt,
das sind eure Visionen von dieser Kirche.

Zeigt sie mir – und uns. AMEN.

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