Corona-Zeit: Hören mit dem Herzen

YouTube Andacht 29.3.2020

Mediendienst der Evangelischen Jugend Bramsche und Jugendkirche Hamm, Prediger 3

Alles hat seine Zeit. Auch Corona.

Was das für dich persönlich konkret bedeutet, weiß ich nicht.

Wir sind ja alle in ganz unterschiedlichen Situation dadurch.

Wenn ich darüber grübele, was diese Zeit für mich bedeutet,

muss ich immer an ein Sprichwort denken.

Das ist sonst so gar nicht meins…, eigentlich: Sprichwörter.

Aber hier kommt es:

„Wer nicht hören will, muss fühlen.“

Krasser  Spruch, oder? So zeigefingermäßig!

Manchmal sehe  ich in den Medien Nachrichten und Posts, die gehen in die Richtung.

„Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Tja. Selber schuld.

Wenn Deutschland nicht gespart hätte …

 … am Gesundheitssystem und Gehalt der Krankenpflegerinnen

 … dann wären wir jetzt besser vorbereitet. Selber schuld.

Wenn alle kleinen Unternehmer und Haushalte genügend Rücklagen hätten,

– wie man sie ja haben soll – sagt die Verbraucherzentrale …

… dann hätten sie jetzt keine Existenzängste. Selber schuld.

Wenn es immer so einfach wäre, geht mir durch den Kopf.

Aber mir geht auch noch etwas durch mein Herz.

Ich MUSS fühlen.

Da ist was dran, an diesem Sprichwort.

Ich habe schon so viel gehört in meinem Leben.

Und doch ist es verpufft, weil ich es nicht gefühlt habe.

„Wer nicht hören will, muss fühlen.“

Ich will ja hören.

Aber ich kann oft nicht. Es berührt mich nicht richtig.

Also ich kann nicht hören, ohne zu fühlen.

Ich habe ja gehört, dass jeder Mensch wichtig ist,

dass jede eine relevante Rolle in unserem Zusammenleben spielt.

Ich habe ja gehört, dass jeder seinen Beitrag für diese Gesellschaft und diese Welt bringen soll.

Ich habe ja gehört,

dass Wirtschaft wichtig ist für den Wohlstand eines Landes.

Ich habe ja gehört, in Filmen, dass Virologen Helden sind.

Ich habe ja gehört, dass Kultur, Musik, Kunst, Theater wichtig sind.

Aber gefühlt habe ich es nicht.

Und wenn ich heute gefragt werde, was diese Corona-Zeit für mich ist, dann sage ich:

„Corona-Zeit ist für mich die Zeit zu fühlen.

Denn ich glaube, Fühlen, das ist Hören mit dem Herzen.“

Denn jetzt heute und in der letzen Woche habe ich gefühlt, dass …

… jeder und jede wichtig ist.

Zuerst war es „nur“, dass jeder sich die Hände wäscht. Jetzt sogar, dass jede Zuhause bleibt, wenn sie irgendwie kann. Wer von euch hat das kommen sehen? Ich nicht.

Aber jetzt heute fühle ich noch mehr: Tatsächlich, Kassiererin an der Kasse zu sein, ist ein wichtiger Job.

Jetzt heute fühle ich: Die Wirtschaft versorgt uns. Jeder LKW auf der Straße, der Elefantenrennen fährt. Es könnte Klopapier drin sein.

Jetzt heute fühle ich das: Virologen retten Menschenleben.

Jetzt heute fühle ich das: Wunderbar, dass manche Künstler gerade über die Sozialen Medien Musik zu uns schicken – das tut so gut.

Jetzt fühle ich: Jeder von uns ist wichtig: Wir sind alle systemrelevant. Wir gehören alle zusammen. Wir brauchen einander. Keiner lebt sich allein.

Jetzt hört mein Herz. Ich fühle.

Und bei all der Angst, der Sorge, der Einsamkeit, dem Schmerz und den Verlusten, die diese Zeit für Menschen mit sich bringt – bei mir ist neben Gebeten und Taten jetzt auch die Zeit für mich, zu fragen, was diese Gefühle bedeuten.

Für mich ist das die Frage, danach, was wichtig ist. Relevanz hat.

Für mich. Als Christin in Gottes Welt.

Ich habe schon einen Beruf, den ich oft als sinnvoll erachte.

Aber mache ich darin wirklich, was wichtig ist?

Sage ich unseren Jugendlichen genug, wie wichtig sie sind? Wie sehr sie gebraucht werden?

Und dir jetzt auch – wie wichtig du bist, mit allem, was du tust und lässt. Ob du dafür Geld bekommst oder nichts.

Und frage ich auch genug? Wie ist das mit dir? Wie bringst du dich relevant ein, in unserem System? Hast du eine Arbeit, ein Ehrenamt, eine Aufgabe, wie du dieser Welt gut tust? Und vor allem: Fühlst du das? Ist dir das klar? Wie wichtig es ist, dass es dich gibt und du tust, was du kannst. Weißt du, was Gott dir für Gaben gegeben hat und fühlst du dich auch als Geschenk?

Es gibt so viele Menschen, die sich nutzlos oder wertlos fühlen. Weil sie schlecht behandelt oder bezahlt werden. Das muss sich ändern. Erst im Gefühl und dann auch praktisch, im Verhalten und in Gesetzen.

Es gibt so viele Menschen, die ihre Arbeit als sinnlos empfinden. Und vielleicht sogar ihr Leben.

Ich hoffe, sie können jetzt fühlen, dass das A nicht stimmt oder B sich ändern lässt.

Ich glaube, nicht nur für mich ist diese Corona-Zeit, Zeit zu fühlen, zu hören mit dem Herz.  

Diese Zeit macht deutlich, was viele eigentlich schon gehört haben.

Und jetzt auch fühlen. Ich glaube und hoffe, das macht es leichter, danach zu leben und zu handeln.

Egal wie schwer oder herausfordernd diese Zeit auch für dich ist: Wenn du heute am Sonntag etwas Zeit übrig hast, dann hör doch mal auf dein Herz, was es dir sagt, was wichtig für dich ist.

Vielleicht wird dir plötzlich klar, wer dir fehlt in deinem Leben.

Vielleicht fühlst du, dass du alte Freunde anrufen möchtest, weil die Stimmung jetzt wichtig ist in unserm Land und beim Kontakt halten immer einer beginnen muss.

Vielleicht spürst du plötzlich ganz deutlich, welche neue Aufgabe du in dieser Welt übernehmen kannst und willst.

Ob du noch ein Ehrenamt beginnen willst, wenn das wieder geht.

Was du mehr und was du weniger machen willst.

Oder, wenn du jung bist, welchen Beruf du lernen willst. Du weißt ja, alle sind wichtig.

Oder du merkst, wirklich ALLE sind wichtig. Und dass du das auch zeigen willst und respektvoll, dankbar, aufmerksam sein willst für dich und andere.

Alles hat seine Zeit, auch Corona. Und für mich ist das die Zeit zu fühlen.

Denn fühlen ist hören und denken mit dem Herzen.

Und dann danach leben. Mit Zuversicht. Guten Mutes. Denn die Zeiten kann man nicht ändern.

Aber als Gabe Gottes in dieser Welt fühlen und leben. Das kann ich.

Und ich hoffe, du auch.

Amen.

2 Kommentare zu „Corona-Zeit: Hören mit dem Herzen“

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