Ich hasse Konflikte

Nein, ich bin damit nicht einverstanden. Ich finde nämlich, dass wir für unsere Präsentation nicht alle 64 Folien brauchen. Mindestens 20 sind überflüssig. Alle anderen anscheinend schon. Aber ich sage nix.

Denn ich hasse Konflikte.

Meine kleinen persönlichen Konflikte ganz besonders. Meistens tue ich einfach so, als wären sie nicht da. Dann sag ich meine Meinung nicht und ärgere mich nachher, wenn genau meine Sichtweise uns viel Arbeit erspart hätte.

Ich hasse Konflikte.

Neuerdings versuche ich mich mit einem Jesuszitat zu rechtfertigen :„Selig sind die Friedfertigen.“ (Mt 5,9) Dann schauen mir meine kleinen Konflikte allerdings tief in die Augen und sagen: „Du bist nicht friedfertig, sondern feige.“

Und bevor ich anfangen kann, meine Konflikte noch mehr zu hassen, weil sie mich so gemein durchschauen, fühle ich irgendwie gleichzeitig auch wunderbar verstanden.

Ja, ich bin feige. Ich habe Angst, falsch zu liegen oder abgelehnt zu werden. Was gibt es Blöderes als das? Aber friedfertig bin ich auch. Und diese Eigenschaft möchte ich nicht verlieren. Ich muss jetzt besser einschätzen lernen, wann der Sprung über meinen Schatten mitten in die Konfrontation angesagt ist oder wann die Friedfertigkeit siegt.

Ich hasse Konflikte – aber ich lerne immer mehr, ihnen in die Augen zu schauen und ihren Blicken standzuhalten.