Predigt und liturgische Stücke (Texte!) zum Radiogottesdienst des DLF am 6.4.2023 in der Evangelischen Jugendkirche Hamm, Predigt und Liturgie: Stud. Theol Dorothea Altena und Katrin Berger
Die Ideen haben wir gemeinsam entwickelt, die Stücke mal zusammen, mal getrennt geschrieben. Nicht jeden Text, den die eine spricht, hat sie auch geschrieben ; )
Musikalische Leitung (und damit auch Auswahl der hier aufgeführten Stücke): Simon Biffart
Begleitung, Beratung und Redaktion: Dr. Titus Reinmuth
https://www.deutschlandfunk.de/ev-gottesdienst-aus-der-jugendkirche-in-hamm-dlf-f1a669eb-100.html
Lied instrumental: Herz und Mund, Musik: Timo Böcking, Arr. Simon Biffart s.u.
| Begrüßung und Votum K: Einen wunderschönen Morgen wünschen wir Ihnen und herzlich willkommen! Wie schön, dass Sie dabei sind und mit uns Gottesdienst feiern! Gott hat versprochen, auch da zu sein. Für mich bedeutet das, dass Gott uns in dieser Stunde gibt, was uns guttut und was wir brauchen, um zu Glauben, zu Lieben und zu Hoffen. Das Lied “A Million Dreams”, auf Deutsch “eine Million Träume”, steht heute im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Unser Gefühl ist, dass wir es gerade gut gebrauchen können, mal wieder von unserer Zukunft zu träumen. Jede und jeder für sich, aber auch gemeinsam in unseren Kirchen und auf der ganzen Welt. Warum uns das so wichtig ist und wie wir das verstehen, hören Sie in unserer Predigt zum großen Fischfang des Petrus im Lukasevangelium. Wir hoffen, dass Sie mit uns etwas ins Träumen kommen und dass das Hören von traumhafter Musik Ihnen gut tut. Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, Quelle des Lebens, Liebe stärker als der Tod und Kraft unserer Gemeinschaft. Amen |
| Lied: Herz und Mund, Text: Martin Buchholz; Musik: Timo Böcking, Arr.: Simon Biffart 1) Ich sing für dich und bete dich an. Denn du bist der Atem der Welt, Quelle und Brot, Tröster in Not, Licht, das die Schatten erhellt. Ref.: Ich sing die mir Herz und Mund, denn du bist ein großer Gott, der immer noch Wunder tut und Wunden heilt. Bei dir wird mein Herz gesund, denn du bist die Liebe, Gott, die das Leben mit uns teilt. 3) Ich sing für dich im weltweiten Chor ein neues und uraltes Lied, das dich erfreut. Zu jeder Zeit bist du der Gott, der uns sieht. Ref.: |
| Gebet D: Lasst uns beten: Gott, du bist die Liebe, die das Leben mit uns teilt, und doch sind wir oft unsicher, was die Zukunft bringt. Manches schenkt uns große Hoffnung, anderes macht uns Angst. Manches haben wir in der Hand und hoffen, dass es uns gut gelingt. Anderes liegt außerhalb unserer Möglichkeiten und gibt uns das Gefühl, dass wir gar nichts tun können. Gott, du weißt, was uns fehlt. Du verstehst, warum uns manchmal das Träumen so schwerfällt. Wir bitten dich, sei bei uns – wo immer wir gerade diesen Gottesdienst feiern und inspiriere uns zu glauben, zu lieben und zu hoffen. Amen |
| Moderation K: Über die eigenen Träume zu reden ist gar nicht so leicht! Da muss man ja erstmal Träume haben … und sich dann noch trauen, davon zu erzählen! Zum Kirchenkreis Hamm gehört die Kirchengemeinde Pelkum-Wiescherhöfen und dort gibt es Konfirmandinnen und Konfirmanden, die wir schon vor diesem Gottesdienst gefragt haben, was sie sich für ihre Zukunft wünschen. |
| O-Töne Konfis 1: |
| Lied: Der Traum vom Glück (Teil 1), Text: Andreas Malessa; Musik: Tore W. Aas, Arr.: Simon Biffart 1. Wo geh ich hin? Und was kommt jetzt? Wenn ich glaube, wenn ich liebe, stirbt die Hoffnung doch zuletzt. Was soll ich tun? Ich frag mich oft: Sind denn Glück und Zukunft sicher, wenn man nichts mehr glaubt und hofft? Ich muss vertraun, will mit Dir übers Wasser gehn. Glaube, Liebe, Hoffnung neu verstehn. Refrain: Der Traum vom Glück führt uns in ein gelobtes Land. Das scheint verrückt und dennoch fühlst du eine Hand, die dich lockt und lenkt, die dir Frieden schenkt, höher als der menschliche Verstand. Der Traum vom Glück ist keineswegs illusionär. Dich trifft ein Blick und den vergisst Du niemals mehr. Weil dein Herz schon sieht, was dich vorwärts zieht: Diese Liebe geht als Licht vor Dir her. |
| Moderation K: Manche Träume der Jugendlichen gehen noch weiter. Dann geht es nicht nur um die persönliche Zukunft. Hören wir nochmal rein: |
| O-Töne Konfis 2: |
| Lied: Der Traum vom Glück (Teil 2) 2. Weiß nicht wohin. Weiß nicht, was wird. Hat mein Glaube an die Liebe mich nicht hoffnungslos verwirrt? Wo komm ich her? Ich denk zurück: War vernünftig resigniert sein denn ein bessrer Weg ins Glück? Ich will vertraun. Will mit dir übers Wasser gehen. Glaube, Liebe, Hoffnung neu verstehn. Refrain: Der Traum vom Glück führt uns in ein gelobtes Land. Das scheint verrückt und dennoch fühlst du eine Hand, die dich lockt und lenkt, die dir Frieden schenkt, höher als der menschliche Verstand. Der Traum vom Glück ist keineswegs illusionär. Dich trifft ein Blick und den vergisst Du niemals mehr. Weil dein Herz schon sieht, was dich vorwärts zieht: Diese Liebe geht als Licht vor Dir her. |
| Moderation D: Bevor die Geschichte von Petrus und seinem traumhaften Fischfang so aufgeschrieben wurde, wie wir sie heute im 5. Kapitel des Lukasevangeliums lesen können, haben Menschen sich die Begebenheit einfach als Augenzeugen oder vom Hörensagen weitererzählt. Vielleicht so wie wir es jetzt von den Konfirmanden hören. |
| Bibellesung „Anders“ von den Konfis, nach dem Lukasevangelium 5 M: Sag mal, hast du eigentlich auch schon gehört, was da gestern auf dem See passiert ist? G: Auf dem See Genezareth? Was soll denn da passiert sein? T: Ist wieder irgendein Fischer ins Wasser gefallen? M: Nein, jetzt ist WIRKLICH mal was Spannendes passiert. Jesus von Nazareth war da, das heißt doch schon was, oder? G: Das stimmt, wo der ist, passieren immer so ganz komische Sachen. Was hat er denn diesmal gemacht? M: Der ist angeblich mit Petrus auf den See gefahren und wollte fischen. Aber er hat nichts gefangen. C: Was erzählst du denn da? Geht es um die Sache mit Jesus gestern? M: Genau, ich habe da heute Morgen gehört… C: Aber dann erzähl es doch bitte richtig. Habt ihr eine Minute Zeit? Dann kann ich euch erzählen, wie es war. Ich stand nämlich die ganze Zeit am Ufer und hab mich gefragt, was da abgeht. Erst stand Jesus im Boot und hat was erzählt. Dann auf einmal hat Petrus mitten am Tag seine Netze wieder ins Boot geladen und ist rausgefahren und hat die Netze wieder ausgeworfen – das macht man doch sonst nur nachts! M: Bestimmt hat Jesus ihm das gesagt! G: Glaub ich nicht. Sogar der müsste doch so viel Grundwissen von der Fischerei kennen, oder? T: Und Petrus ist doch ein so erfahrener Fischer! M: Na ja, davon merkt man in letzter Zeit nicht viel. In den letzten Nächten hat er mal wieder gar nichts gefangen… C: Genau darum geht es ja – lasst mich doch erstmal ausreden. Petrus hatte nachts wirklich nichts gefangen, und dann meinte Jesus, dass er es nochmal probieren soll. Die gleichen Netze, das gleiche Boot, der gleiche See -nur eine andere Uhrzeit – und Jesus eben mit an Bord. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Petrus hat so unfassbar viele Fische aus dem Wasser gezogen, das waren schon zu viele. Sowas habe ich noch nicht gesehen. M: Verrückt, da scheint Jesus ja doch ein Profifischer zu sein. G: Ne, ich habe langsam eher das Gefühl, dass das mit Gottes Sohn stimmen könnte… Ich meine, durch Jesus hatte Petrus überhaupt erst die Idee, am Tag fischen zu gehen. Das hätte der sonst niemals gemacht. C: Genau, das denke ich auch. Petrus hat mir hinterher erzählt, dass er erst dachte, er hätte sich verhört, als Jesus ihm sagte, er solle nochmal die Netze auszuwerfen. Aber dann fiel es ihm leicht, es doch zu probieren und auf das zu vertrauen, was Jesus gesagt hatte. M: Und das ja mit Erfolg. G: Definitiv. Jesus hat ihm gesagt, er soll es nochmal anders probieren, und er hat es getan. C: Vertrauen auf Jesus schadet anscheinend nicht. T: Das stimmt. Sonst hätte Petrus‘ Zukunft ganz anders ausgesehen … . |
| Lied: A Million Dreams aus: The Greatest Showman Text & Musik: Benj Pasek, Justin Paul, Arr.: Mac Huff, Simon Biffart I close my eyes and I can see A world that’s waiting up for me that I call my own. Through the dark, through the door through where no one’s been before, but it feels like home. |
| Übertragung: Ich schließe meine Augen und kann eine Welt sehen, die mich erwartet. Das ist meine Welt. Für sie gehe ich durch das Dunkel, durch eine Tür, durch die noch niemand vorher gegangen ist, aber sie fühlt sich wie Zuhause an. |
| Predigt K: Ich bin eine Träumerin. Als Kind, als Jugendliche, als Studentin und auch noch als junge Pfarrerin habe ich manchmal mitten am Tag und oft abends im Bett von meiner Zukunft geträumt und mir vorgestellt, was ich mir für mein Leben wünsche. Ich glaube, das hat niemand bemerkt und ich habe es bestimmt nie bewusst gezeigt, denn irgendwie waren meine Träume auch immer mein Geheimnis, meine ganz eigene Welt. In den letzten Jahren habe ich aufgehört zu träumen. Langsam, beinahe unmerklich ist mir das Tagträumen Stück für Stück abhandengekommen. Manche Träume haben sich erfüllt, manche haben sich verändert, für manche scheint es zu spät. Auch die Corona Pandemie hat mir das Träumen abgewöhnt. Drei Jahre Leben auf kurze Sicht, bis zur nächsten Welle, zur nächsten Schutzverordnung, zur nächsten Impfung oder Infektion. Drei Jahre Krisenmodus, irgendwie die nächsten Tage gut durchkommen war das Ziel. Mir das Ende der Pandemie vorzustellen und Wünsche oder Pläne für die Zeit danach zu entwickeln, habe ich mich schnell nicht mehr getraut. Die Zeit des Träumens war vorbei. |
| Predigt D: An dem Tag am See hat Petrus sich bestimmt nicht erträumen können, dass er den Fischfang seines Lebens macht. Ich stelle mir vor, dass er schon lange nicht mehr von vollen Netzen, von Arbeit, die sich lohnt, von Glück, Erfolg, von Wundern träumt. Wenn ich an Petrus denke, wie er an dem Tag die Netze reinigt, dann sehe ich jemanden vor mir, der nur von Tag zu Tag denkt, von Nacht zu Nacht hofft, etwas zu fangen, um überhaupt leben zu können. Und doch – muss er nicht auch mal wie jeder Fischer von einem großen Fang geträumt haben? So wie jeder und jede von uns mal davon geträumt hat, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, oder einen großen Gewinn zu machen, ein wunderbares Geschenk zu bekommen, die lang ersehnte Liebe zu finden? Oder gehört es einfach zum Erwachsensein dazu, nicht mehr zu träumen? Ich bin jetzt 21 und auch ich träume nicht mehr viel. 2020 habe ich Abi gemacht und dann sofort angefangen, das zu studieren, wofür ich brenne. Aber für den Weg zum Traumberuf habe ich keine konkreten Vorstellungen. Als ich noch zur Schule gegangen bin, war das noch anders. Da habe ich immer wieder die unterschiedlichsten Optionen für mich und mein Leben in Gedanken durchgespielt. Jetzt genieße ich eher die vielen Momente, die ich erleben darf und lasse alles auf mich zukommen. Aber ich male mir nicht mehr im Voraus aus, was mich wann wo erwarten könnte. Mir fehlt es zu träumen. Ich merke, ich brauche das. Wenn ich nicht träume, bin ich nicht wirklich ich, dann bin ich nicht wirklich lebendig. Dann hat mein Leben eher mich im Griff, als ich mein Leben. |
| Predigt K: Ich bin überzeugt – Träumen kann man so lange, wie man von einer Zukunft ausgeht, mag sie auch noch so kurz sein. Träumen hat für mich nichts mit dem Alter zu tun. Vielleicht eher damit, wie zufrieden man sich gerade fühlt und was man für möglich hält. Und das ist ja so verschieden wie wir Menschen. Einer träumt von einer Weltreise, eine vom eigenen Pferd. Einer will noch den nächsten Karriereschritt machen, eine andere will mehr Zeit für sich, ihre Hobbies, ihre Freunde. Einer träumt schon vom Ruhestand und will endlich reisen, eine anderer träumt davon, noch ganz lange weiterzuarbeiten in ihrem geliebten Beruf. Bei einem Paar ist die Jüngste aus dem Haus, sie träumen von Freiheit und neu anfangen. Eine träumt davon, einmal die Hauptrolle zu spielen, ein anderer möchte noch einmal das Meer zu sehen, und wie viele träumen von der großen Liebe. Wie geht es Ihnen mit dem Träumen? Reisen Sie manchmal in Gedanken in die Zukunft? Haben Sie vielleicht ganz ähnliche Träume wie die Jugendlichen? Stellen Sie sich vor, Sie haben viel Spaß und Menschen, die Sie lieben? Träumen von Aufgaben und Arbeit, die Sie erfüllen und ein gutes Leben ermöglichen? Oder ist das Träumen bei Ihnen auch schon eine Weile her und eigentlich halten sie Träumer für kindisch, verrückt und sowieso, es gibt doch so viel anders zu tun? |
| Lied: A Million Dreams They can say, they can say it all sounds crazy. They can say, they can say I’ve lost my mind I don’t care, I don’t care, so call me crazy. We can live in a world that we design. |
| Übertragung: Sie können sagen, dass sich das alles verrückt anhört. Sie können sagen, dass ich meinen Verstand verloren habe. Es ist mir egal, dann nenn mich eben verrückt. Wir können in einer Welt leben, wie wir sie entwerfen. |
| Predigt K: Mögen manche Träume etwas verrückt, unerreichbar, phantastisch und unrealistisch sein – ich glaube, von unserer Zukunft zu träumen, ist unsere menschliche Superkraft. Denn wenn wir träumen, benutzen wir alles, was uns als Menschen ausmacht. Wenn wir träumen, treffen unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit auf unsere Phantasie, unsere Wünsche und Gefühle. Wenn wir träumen, sind wir in unserem ganz eigenen Film. Wir schreiben das Drehbuch, führen die Regie und spielen die Rolle unserer Wahl. Ganz egal, ob mit 12 oder 21, mit 40 oder 81 Jahren. Träumen macht Spaß und kostet nichts. Dafür können wir ohne Risiko allein mit unserer Vorstellungskraft unzählige Möglichkeiten unserer Zukunft durchleben. Je detaillierter, je ehrlicher und realistischer wir uns das Erreichen unserer Ziele vorstellen, aber auch den Weg dorthin mit seinen Herausforderungen, desto wertvoller können wir diese Superkraft nutzen, um Entscheidungen zu fällen. Träumen ist wie Leben auf Probe. |
| Predigt D: Ich glaube, Gott hat uns das Träumen und die Phantasie gegeben, damit wir herausfinden, was wir wollen und was nicht. Wenn wir darüber nachdenken, welche Welt wir selber brauchen, und wie sie so wird, wie wir sie uns wünschen: dann wird sie erst zu UNSERER Welt. Ganz so, wie es in dem Lied heißt: “Wir können in einer Welt leben, wie wir sie entwerfen.” In meiner Traumwelt kann ich auch noch in dreißig Jahren leben, ohne das Gefühl haben zu müssen, den folgenden Generationen noch mehr Katastrophen zu hinterlassen, die nicht mehr aufzuhalten sind. Ich träume von einer Welt, in der Gerechtigkeit für alle mehr zählt als der eigene Profit. Ich träume von einer Welt, in der wir uns gegenseitig dabei unterstützen, unsere Lebensziele zu verwirklichen und nicht nur danach streben, von allen der oder die Beste zu sein. Unsere Träume können uns den Mut machen, den wir brauchen, um die Welt um uns herum mitzugestalten. Mit der Fähigkeit, zu träumen, hat uns Gott die Möglichkeit geschenkt, unsere ganz persönlichen Ideen einzubringen, wenn es darum geht, die Zukunft unserer Welt zu gestalten. |
| Lied: A Million Dreams Cause every night I lie in bed the brightest colors fill my head. A million dreams are keeping me awake. I think of what the world could be a vision of the one I see, a million dreams is all it’s gonna take. A million dreams for the world we’re gonna make. |
| Übertragung: Denn jede Nacht, wenn ich im Bett liege, füllen die buntesten Farben meinen Kopf. Eine Million Träume halten mich wach. |
| Predigt D: Meine Träume sind nicht immer bunt, manchmal sind sie auch schwarz-weiß. Dann setzt mich etwas unter Druck und ich spüre all die Erwartungen, die andere an mich haben. Deshalb wünsche ich mir Millionen von Träumen: welche, die von Anfang an in bunten Farben erstrahlen und welche, die erstmal farblos erscheinen. Als Regisseurin meiner Träume kann ich dann die Dinge, die mir Angst machen und mich zweifeln lassen, von grau zu bunt färben. So kann ich durch meine Träume frei werden von den festen Erwartungen, die andere an mich haben. Das macht mir Mut, denn nur so fange ich an, meinen Film zu drehen, mein Leben zu leben und versuche nicht nur, die Rolle zu spielen, die andere für mich möchten. Trotzdem will ich mit anderen zusammenleben – und auch gemeinsam träumen. Deswegen wünsche ich mir, dass es in unserer Welt mehr Gespräche miteinander statt übereinander gibt. Gespräche, in denen wir offen über das reden können, wovon wir träumen, ohne gleich als “zu unrealistisch” abgestempelt zu werden. Immer wieder begegnen mir Situationen, in denen Menschen von anderen sofort in Schubladen gesteckt werden. Dann sind die Vorurteile größer als das Interesse an der anderen Person. Ich glaube, dass sich das ändern könnte, wenn wir mehr über das in Austausch kommen, was uns bewegt und ausmacht. Deshalb träume ich davon, dass es irgendwann egal wird, wie alt eine Person ist, woher sie kommt, was sie glaubt, wen sie liebt – sie sollte immer die Möglichkeit haben, sich mit ihren Wünschen, Ideen und Lebenszielen in unsere Gesellschaft einzubringen. Ich träume davon, dass wir dem weniger Beachtung schenken, was wir im Vorfeld über eine Person gehört haben. Ich träume davon, dass wir uns selber ein Bild von unseren Mitmenschen machen und ihnen mit offenen Ohren und Herzen begegnen. |
| Übertragung: Ich denke darüber nach, wie die Welt sein könnte. Eine Vision der Welt, die ich sehe. Eine Million Träume ist alles, was es dazu braucht. Eine Million Träume für die Welt, die wir gestalten werden. |
| Predigt K: So zu träumen heißt für mich, auf Gott zu vertrauen. So hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen, ist für mich ein Ausdruck von Glauben. So hoffnungsvoll die Zukunft zu planen ist unsere Aufgabe. Und es funktioniert: Wenn wir uns gemeinsam über unsere Träume austauschen und darüber nachdenken, wie die Welt sein könnte fange ich an, mich zu freuen und zuversichtlich zu werden, dass ich etwas davon in Zukunft erleben darf. Wie gesagt: Ich habe jetzt lange nicht mehr geträumt und stehe oft ratlos vor dem großen Schicksal unserer Erde. Aber ich merke, wie Hoffnung in mir keimt: Es könnten unsere Träume sein, die uns den großen Fang, die gemeinsamen Ideen bringen werden, wie wir unser Leben und damit unsere Welt verändern können– im Kleinen und im Großen. |
| Lied: A Million drams There’s a house we can build every room inside is filled with things from far away.The special things I compile rach one there to make you smile on a rainy day . |
| Übertragung: Da ist ein Haus, das wir bauen können, jeder Raum darin ist gefüllt mit Dingen von weit her, mit besonderen Sachen, die ich sammle, damit jede einzelne dich an Regentagen zum Lächeln bringt. |
| Predigt D: An Regentagen möchte ich manchmal gerne fliehen. Dann möchte ich einfach nur meinem Leben und der ungewissen Zukunft entkommen. Wenn ich in solchen Momenten keine Wünsche mehr habe und denke, dass es nichts mehr bringt, Ziele zu verfolgen, dann hilft es mir, Erinnerungen an die Zeiten auszugraben, in denen in meinem Leben die Sonne hell geschienen hat. Erinnerungen daran, dass es sich schon mal gelohnt hat, zu träumen. Erinnerungen an die Träume, die sich bisher für mich erfüllt haben. Dann wächst in mir wieder Vertrauen darauf, dass es sich lohnt, Träume zu haben. Dann schöpfe ich auch an Regentagen Mut, immer wieder das Träumen zu wagen. Denn ich vertraue darauf: so wie Gott damals bei mir war, als meine Träume Realität wurden, so wird er es auch jetzt sein. |
| Übertragung: Sie können sagen, dass ich meinen Verstand verloren habe. Aber ist mir egal, ob sie uns verrückt nennen. |
| Predigt K: Verrückt, was in der Bibel steht: Dass Jesus mitten am Tag zu Petrus sagt: “Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!” Und Petrus ihm antwortet: “Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.” Und die Fischer daraufhin so viele Fische fangen, dass ihre Netze reißen. Verrückt, was Jesus sagt. Verrückt, was Petrus tut. Verrückt, diese vielen Fische mitten am Tag. Noch verrückter ist aber, was danach geschieht. Petrus bleibt kein Fischer. Nach diesem Erfolg wechselt Petrus den Beruf, ändert sein Leben. Und zwar so, wie er sich das vermutlich nie hat träumen lassen. Monatelang zieht Petrus mit Jesus und den anderen übers Land und erlebt, was es heißt, wenn Gott Mensch und dein Freund ist. Er ist dabei, wenn Jesus lehrt, predigt, heilt, wenn plötzlich das Brot für alle reicht. Petrus wird einer der vielen Menschen in der Bibel, die erzählen, wie wunderbar die Sache mit dem Vertrauen ist. Und wie wackelig. Petrus ist der, der erst übers Wasser gehen kann und dann doch versinkt, als er nicht mehr auf Jesus sieht, sondern auf die großen Wellen um ihn herum. Petrus ist der, der Jesus Treue bis in den Tod schwört und sie sofort bei der nächsten Gelegenheit bricht. Petrus ist der, der immer und immer wieder Vertrauen zu Jesus wagt und verliert und wiederfindet. Ich weiß nicht, ob Petrus ein Träumer war. Wenn, dann wurden seine Träume vermutlich meistens durch Jesus übertroffen und oft auch durchkreuzt. Das, was auf Golgatha geschah, Jesu Tod am Kreuz, das kann sich keiner wünschen und das, was danach geschah, war und ist so unvorstellbar wie Gott selbst. Was ich aber weiß ist, dass auch ich unbedingt wieder so verrückt sein möchte, zu träumen. Voller Vertrauen auf Gott und unsere Zukunft. Denn ich glaube, dass Gott uns in unseren Träumen begegnet, sie uns sogar in unser Herz legt. Nicht immer, nicht in jeder Tagträumerei, aber mir fallen nicht viele andere Wege ein, wie Gott sonst von Dingen der Zukunft zu uns sprechen kann. Ok, mit klarem Verstand und einem Blick in die biblischen Geschichten und Visionen sollte man gelegentlich prüfen, ob da wirklich Gott am Werk war. Aber ich glaube und hoffe, es gilt, was Gott beim Propheten Joel verspricht: |
| Bibelvers: Ich will meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure alten Menschen sollen Träume und eure jungen Menschen sollen Visionen haben.(Joel 3) |
| Lied: A Million Dreams However big, however small let me be part of it all. Share your dreams with me. You may be right, you may be wrong Bbt say that you’ll bring me along to the world you see. To the world I close my eyes to see I close my eyes to see. |
| Übertragung: Egal wie groß, egal wie klein: lass mich ein Teil von alldem sein. Teile deine Träume mit mir! Du magst Recht haben, du magst falsch liegen. Aber sag, dass du mich mitnehmen wirst, in die Welt, die du siehst, in die Welt, für die ich meine Augen schließe, um sie zu sehen. |
| Predigt K: Ich träume davon, dass ich wieder träume. Nicht nur bewältige und abarbeite und durchhalte, sondern, dass ich wieder spielerisch und leicht an die Zukunft denke. Ich möchte wieder volles Vertrauen und große Hoffnung haben. Und dazu brauche ich das Träumen, denn nur so finde ich zu meinem Herz und immer wieder auch zu Gott. Träumen bedeutet für mich, gedanklich meine Netze auszuwerfen: An verschiedensten Stellen, zu verschiedensten Zeiten und auf verschiedenste Arten, um nachzuspüren, wo sich am meisten Begeisterung finden lässt. Wo das Leben und die Liebe pulsiert. Wo das geschieht, will ich meine ganze Kraft einsetzen, in meinem kleinen Leben, aber auch in der Kirche und in dieser Welt. Ich wünsche mir, dass wir alle mehr träumen. Dass wir unsere Superkraft nutzen und herausfinden, was wirklich wichtig ist, was für uns wirklich zählt. Ich träume davon, dass wir nicht nur auf unsere eigenen, sondern auch auf die Träume der jungen und alten, der bekannten und fremden Menschen hören und darauf vertrauen, dass uns darin Gott begegnet – und die Welt, wie sie sein könnte. |
| Lied: A million dreams (komplett) |
| Moderation K: Lasst uns unsere Hoffnung und unser Vertrauen mit Versen aus der Bibel bekräftigen. |
| Erinnerungspsalm aus Vertrauens-Hoffnungsversen der Bibel GOTT, du bist unser Hirte, uns wird nichts mangeln. (Ps 23,1) Du hast uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (1 Tim 1,7) Du betest für uns, dass unser Glaube nicht aufhört. (Lk 22, 32) Deshalb werfen wir unser Vertrauen nicht weg, denn unser Vertrauen hat eine große Zukunft. (Hebr 10,35) Wir glauben, dass unsere Zeit in deinen Händen liegt. (Ps 31,16) Und dass du an uns denkst und uns segnest. (Ps 115, 12) Wir vertrauen dir unsere Lebenswege an und hoffen auf dich, du wirst es gut machen. (Ps 37,5) |
| Lied: Lobe den Herren, den mächtigen König Text: Joachim Neander 1680 Melodie: 17. Jh.; geistl. Stralsund 1655, Halle 1741 Arr.: Martin Mohns & Matthias Weida 2020, Simon Biffart 2023 1) Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören! Neue Strophe 2) Lobe den Herren, der zu dir kommt und dich begleitet wenn deine Träume zerplatzen, ein andres Ziel zeiget. (Katrin Berger 2023) Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lob ihn in Ewigkeit! Amen. 4) Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet! |
| Fürbitten: Lasst uns beten: 1. Gott, wir erleben so viel, das uns den Mut nimmt. Weltweit und auch in unserem Leben gibt es einiges, was uns das Vertrauen in eine gute Zukunft schwer macht. Oft mögen wir uns gar nicht mehr vorstellen, was da so kommen könnte oder malen die nächsten Jahre schwarz. Gott, gib uns Vertrauen, groß und bunt von der Zukunft unseres Lebens zu träumen. 2. Gott, wir bitten dich für alle Menschen, denen eingeredet wird, dass sie keine Träume haben dürfen, sondern lieber realistisch, vielleicht sogar pessimistisch denken sollen. Gib ihnen Mut, an ihren Träumen festzuhalten und hoffnungsvoll in die Zukunft zu gehen. 3. Gott, wir bitten dich für alle, deren Träume wie Seifenblasen geplatzt sind. Wir bitten dich, schick ihnen Menschen, die sie dabei unterstützen, ein Leben zu führen, dass zu ihren Talenten und Lebensbedingungen passt. 4. Gott, wir bitten dich für uns alle, dass wir nicht nur für unser eigenes Leben Träume haben, sondern auch für unsere Gemeinden, Länder und Kontinente. Gib uns Phantasie und Mut, miteinander zu teilen, wie wir zusammenleben wollen. 5. Gott, wir bitten dich für uns alle: Lass uns nicht vergessen, dass wir nicht alle unsere Träume selber verwirklichen können. Gott, wir bitten dich, dass uns bewusst bleibt, dass vieles dein Geschenk ist. |
| Vaterunser D: Und alles, was uns sonst noch in unseren Herzen bewegt, legen wir in die Worte, die Jesus uns gelehrt hat: Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Lied: Bleib bei uns, Text & Musik: Martin Buchholz; Chorsatz: Timo Böcking; Arr.: Simon Biffart 1) Du siehst die Wege, die wir gehen. Was uns bewegt, hast du erkannt. Auch wenn wir selbst uns nicht verstehen, hältst du uns fest in deiner Hand. Ref.: Bleib bei uns! Bleib bei uns bei Tag und Nacht. Bleib bei uns! Bleib bei uns, hab auf uns Acht! 2 ) Du siehst, was wir nicht mehr durchschauen. Auch wenn der Sturm sich noch nicht legt, bist du die Kraft, der wir vertrauen, bist du die Liebe, die uns trägt. Ref. 3) Du bist der Geist, der uns beflügelt. Das Feuer, das uns neu entfacht. Du liebst das Leben ungezügelt. Und wir vertraun auf deine Macht. Ref. Segen K: Macht euch bereit, Segen zu empfangen! Gott segne dich mit Hoffnung für die Zukunft Gott behüte dich davor, das Träumen aufzugeben Gott erhebe das Angesicht auf dich und gebe dir Vertrauen und Mut, das Leben und diese Welt zu gestalten. Amen Lied: Family Reunion (instrumental) |