Drüben von Rolf Zuckowski trifft auf Offenbarung 21 und das Märchen von der traurigen Traurigkeit von Inge Wuthe, Ewigkeitssonntag 2025
Drüben ist Ruhe
Drüben ist Frieden
Drüben sind alle gleich
Drüben ist jeder irgendwann
Drüben kommt jeder sicher an
Und dann
Keine Sehnsucht
Keine Tränen
Keine Sorgen
Ohne Gestern
Ohne Heute
Ohne Morgen
Drüben ist Ruhe
Drüben ist Frieden
Drüben sind alle gleich
Drüben ist jede/r irgendwann
Drüben kommt jede/r sicher an
Und dann
Nie mehr warten
Nie mehr suchen
Nie mehr frieren
Nichts begehren
Nichts besitzen
Nichts verlieren
Drüben ist jeder irgendwann
Drüben kommt jede/r sicher an
Und dann
Drüben ist Ruhe
Drüben ist Frieden
Predigt
Liebe Familien und Angehörigen, liebe Gemeinde.
Drüben.
Das ist leider nicht nebenan, wir können nicht mal eben rüber gehen.
Nach Drüben gibt es nur Fahrkarten ohne Rückkehrticket.
Sie kosten nichts, aber die Wenigsten machen sich selbst auf den Weg in dieses Land.
Niemand geht diese Reise allein.
Drüben – dahin wird man getragen.
Von Jesus Christus, durch den Tod zu einem neuen Leben.
Drüben ist Gottes Reich in Ewigkeit.
Drüben ist leider nicht nebenan,
wir können nicht mal eben rüber gehen.
Und trotzdem ist uns Drüben oft ganz nah, meine ich.
Ganz tief drin, ahnt unsere Seele, wie es dort ist, sehnt sich unser Herz manchmal oder sogar oft dort zu sein.
Denn Drüben,
da sind die, mit denen wir das Leben geteilt haben, die wir geliebt haben – und wir tun es noch.
Anders ist es,
unsere Frauen und Männer,
Väter und Mütter,
Omas und Opas,
Brüder und Schwestern
und Töchter und Söhne
und Freunde und Nachbarinnen zu lieben, wenn sie Drüben sind,
aber es ist und bleibt Liebe.
Anders ist es, dass sie Teil unseres Lebens bleiben, zuerst nur durch Leere und Stille, gefüllt vielleicht nur durch Schmerz oder Tränen, Ohnmacht und Wut.
Anders ist es, auch wenn beide mit der Zeit süßer werden und ein zartes Lächeln den Schmerz begleitet und Ohnmacht und Wut schwächt.
Drüben sind die Menschen, die uns nah waren und sind. Und deshalb fühlt sich Drüben manchmal so nah an.
Da sind unsere liebsten Erinnerungen, die besten Tage, die schönsten Stunden unseres Lebens.
Da sind unsere geliebten Toten.
Nicht perfekt, aber alles, was auch schwer war, für sie, mit ihnen, durch sie,
das ist kleiner, weniger, unwichtiger geworden.
Auf die Reise nach Drüben haben sie es nicht mitgenommen.
Jesus hat zu unseren Toten gesagt:
„Ich trage dich nach Drüben, aber deine Angst, deine Verletzungen, deine Krankheit, deinen Schmerz, deine Tränen und deine Schuld nimmst du nicht mit.
Die lässt du im Reich des Todes.
Drüben, im Reich des Lebens brauchst du sie nicht. Drüben haben sie keine Macht oder Kraft mehr, Drüben bist du davon geheilt.
Denn dann:
Keine Sehnsucht – Drüben wird dein Durst gestillt.
Keine Tränen – Drüben werden die, die du vorher geweint hast, sanft abgewischt.
Keine Sorgen – denn Gott wohnt Drüben und wer Gott hat, dem fehlt nichts.
Weder Gestern, noch heute, oder morgen.
Anfang und Ende, A und O, Alpha und Omega und alles dazwischen, Geburt, Leben und Sterben gehören zusammen, dort Drüben.
Deshalb dann:
Nie mehr warten – Drüben ist Freude.
Nie mehr suchen – Drüben ist alles da.
Nie mehr frieren – Drüben ist es wunderbar warm.
Nichts begehren, nichts besitzen, nichts verlieren.
Drüben gibt es kein Haben, kein mehr, kein weniger, kein besser oder schlechter, Drüben ist kein drunter und drüber, kein reich und kein arm -Drüben sind alle gleich.“
Drüben ist wie hier.
Plus mehr Gott, mehr Liebe, mehr Gnade.
Minus alles, was zum Tod gehört.
Keine Angst und Schmerzen,
Keine Tränen und Schuld.
Drüben ist das Reich des Lebens
Hier beherrscht uns noch so oft der Tod.
Hier ist so oft noch das Reich der Angst und des Schmerzes.
Wenn man an Drüben denkt, kann man Todessehnsucht bekommen, so schön ist das Leben dort…
Denn Drüben ist Frieden, Drüben sind alle gleich.
Drüben ist Gerechtigkeit.
Drüben hat jedes Leben den gleichen Wert.
Ob kurz oder lang, ob einiges richtig gemacht oder doch vieles verkehrt.
Ob glücklich oder einsam, Drüben lebt man gemeinsam – mit Gott.
Deshalb ist Drüben Ruhe,
nicht weil alle schweigen oder weil es still ist.
Drüben ist Ruhe, weil jeder und jede sicher angekommen ist.
Drüben ist der beste Ort für unsere geliebten Toten, den ich mir vorstellen kann.
Drüben ist der beste Ort für mich, wenn ich nicht mehr leben kann.
Drüben.
Das ist leider nicht nebenan, wir können nicht mal eben rüber gehen.
Drüben ist den Tod entfernt,
und doch: Mit Drüben sind wir verbunden, durch unsere Erinnerungen, durch unsere Hoffnungen, durch Liebe und Jesus.
Manchmal ist Drüben schon hier.
Mitten unter uns.
Auch in der Trauer.
Wenn Gott uns trägt und wir fühlen.
Auch wir werden ankommen.
Unser Schmerz ist unterschiedlich.
Und doch: Wir ahnen schon etwas von der Ruhe und dem Frieden, unsere Tränen werden sanft abgewischt, unsere Angst wird durch ein Lächeln begleitet wie die Traurigkeit von der Hoffnung.
Manchmal ist Drüben schon hier.
Wir sind schon alle eingeladen zum Tisch Jesu, dort wird wir unser Durst schon einen Moment gestillt. Wie Drüben. Dort sind wir schon alle gleich. Dort wohnt Gott schon mitten unter uns.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.