Schmetterlinge & Brot

WDR2 Radioandacht 12.2.2022

Ich glaube an Schmetterlinge im Bauch. Ich habe sie noch nie gesehen, aber ich hatte schon so viele im Bauch, dass ich dachte, ich kann fliegen. Und überall sonst waren sie auch. In meinem Blut, ich konnte gar nicht mehr richtig schlafen.

Ich glaube, dass es die Liebe gibt. Die romantische, die uns mit Glückshormonen überschüttet, damit wir uns öffnen für einen Menschen, herzlich, seelisch, körperlich. Und uns bewegen zeitlich, örtlich, gewohnheitsmäßig. Damit wir eine neue Familie gründen, vielleicht. Ich glaube an die romantische Liebe, die oft das Wunder des Lebens hervorbringt: neues Leben. Ich glaube an unsere Sinne, die innerhalb von Sekunden erkennen, ob wir jemanden riechen können. Die genau wissen, wessen Gene mit unseren eine Supermischung ergeben. Ich glaube an unsere Psyche, die schon so viele Erfahrungen gesammelt hat, wie Liebe sich anfühlt und wie sie am besten aussieht. Die schnell merkt, wenn jemand Eigenschaften hat, die bewundernswert sind. Ich habe all das noch nie gesehen, kann es nicht beweisen, aber ich glaube an die romantische Liebe. Nicht nur weil ich darüber gelesen habe, ich habe dieses Wunder auch schon erlebt.

Machen oder erhalten kann man romantische Liebe nicht. Die Macht der Gewohnheit holt jedes Paar wieder auf den Boden der Tatsachen, im Schnitt nach zwei bis drei Jahren. Da kann man noch so viele Rosen kaufen, Kleider anziehen oder ausziehen, streiten- irgendwann wird aus Verliebtsein Liebe. Man kann das Verliebtsein suchen, viele Menschen treffen und vielleicht reicht es für einen Flirt, aber richtig Verliebtsein, das ist immer wieder ein Wunder, das uns findet. Ich mag diesen Zauber, den man in Teilen erklären kann, aber nicht im Ganzen. Ich genieße dieses Gefühlsspektakel, es liegt eine Kraft darin, die unvergleichlich ist. Und doch vergöttere ich sie nicht.

Denn ich traue einer anderen Liebe mehr zu. Der Liebe Gottes. In meinem Taufspruch steht, dass Gott die Liebe ist (1. Joh 4,16,b). Und daran glaube ich. Diese Liebe fühlt sich selten an wie Schmetterlinge. Eher wie frisches Brot. Einfach gut, macht satt und gibt Kraft, sich zu kümmern. Um mich selbst und die Welt. Mal mitfühlend, mal ganz praktisch. Diese Liebe gibt Hoffnung – und Hoffnung ist ein Ausdauersport. Meine Erfahrung ist, dass diese Liebe nicht aufhört, egal was passiert. Wir hoffen und kümmern uns weiter und weiter. Die Anthropologie sagt, dass Menschen lieber schenken und teilen als nehmen. Aber dass das Gottes Liebe in uns ist, beweist das nicht.

Vielleicht ist das das Wesen aller Liebe, ob romantischer, freundschaftlicher, familiärer oder politischer – sie ist nur in Teilen erklärbar, man muss an sie glauben.

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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