Superkraft

WDR2 Radioandacht 11.2.2022

„Sei eine Heldin“. Ich hab ein neues goldenes Schild auf meinem Schreibtisch.

Meine Freundin Maja guckt mich belustigt an: „Soso, eine Heldin willst du sein!“

„Na, das Schild soll mich an meine Superkräfte erinnern,“ sag ich.

„Aha,“ Maja lacht. Ich gucke sie an: „Hast du etwa keine Superkräfte?“

Sie überlegt und sagt: „Ich glaube, ich kann mich gut entschuldigen. Sich entschuldigen ist DIE Superkraft schlechthin!“

„Warum das denn?,“ frage ich.

Sie legt los. „Wie viele Menschen kennst du, denen du glaubst, wenn sie sagen, dass es ihnen leid tut?“ Ich sage: „Also ich kenne vor allem viele Menschen, die sich überhaupt nicht entschuldigen.“

Maja guckt mich ernst an: „Das ist das eine, aber es gibt auch echt viele, die die Verantwortung gerne auf andere schieben. Was daran liegen kann, dass es stimmt! Oder dass sie gar nicht wissen, was sie angerichtet haben!“

Ich seufze: „Das ist mir auch schon passiert“

Maja guckt mich an: „Das passiert leicht, wenn man keinen Blick mehr für die anderen hat. Vielleicht hat man aber auch Angst, Schuld zu sein und Ärger zu bekommen.“

Ich nicke. „Bestimmt. Hast du nie Angst, Fehler zuzugeben?“

„Nein,“ sagt Maja, „Ich weiß ja, dass ich Fehler mache. Ich gucke dann lieber, wie es langfristig für alle am besten ausgeht. Früher auf der Arbeit da habe ich dann oft gesagt: ‚Ich will mich deshalb jetzt aber nicht schuldig fühlen.‘ Dabei hätte eine gute Entschuldigung geholfen und wir hätten zusammen im Team geguckt, wie wir das jetzt wieder geradebiegen.“

„Stimmt,“ sage ich, „aber wie bittet man denn gut um Entschuldigung?“

„Ich versuche zu verstehen, was schiefgelaufen ist und was das für Konsequenzen für andere hat. Oft frage ich nach. Manchmal sind es ganz praktische Dinge, manchmal habe ich Gefühle verletzt. Erst dann merke ich oft, dass es mir wirklich leid tut. Und erst dann kann ich mich gut und ehrlich entschuldigen.“

Ich staune: „Du nimmst dir ja richtig Zeit!“

„Ja. Als ich Stress mit Manu hatte, habe ich sogar einen Brief geschrieben.“

Ich bin überrascht: „Echt, einen Brief mit der Hand?“

„Ja, da brauchte ich Geduld. Ich musste ja warten, bis sie sich meldet. Aber deshalb ist es ja eine Superkraft: Es geht nicht nur darum, Schuld nicht zu fühlen oder schnell wieder loszuwerden, sondern sie wirklich durch Aufmerksamkeit, Verständnis und Verantwortung zwischen uns zu heilen.“

„Wow,“ sag ich, „du Heldin!“

„Naja,“ sagt Maja, „mir wurde auch schon oft vergeben.“

 

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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