Exklusivinterview mit Josepf N.

Eine Weihnachtspredigt aus 2014

Liebe Gemeinde,

vor genau 4 Jahren habe ich von meinem Vater dieses Radio geschenkt bekommen. Zu Weihnachten, so ungefähr um diese Uhrzeit. Praktisch, jetzt kann ich überall einfach Radio hören. Sogar hier und jetzt.

Ich mag Radio, da ist man immer gut informiert. Auch mal gut unterhalten. Da geht es nicht immer so ums Aussehen, sondern ums hören, da bleibt mehr Raum für Phantasie.

Mal gucken was da jetzt so läuft.

Sender suchen,

Nee, das will ich nicht. Schlechter Empfang hier … dabei sind wir ja auf dem höchsten Punkt in Levern

Aber da muss es doch irgendwas richtig schön Weihnachtliches geben!

Vielleicht hier.

Und gleich nach den Nachrichten, das Exklusivinterview mit Josepf N, nur bei uns Radio 2412, ihr Weihnachtsradio heute live aus Levern.

Piep, piep, piep.

Und jetzt die guten Nachrichten zum Abend, nur bei uns Radio 2412. Für Sie die nächste Minuten im Studio: Katrin Berger

Berlin

In Deutschland  ist die Zahl der Adoptionen im vergangenen Jahr erneut gesunken. Laut statistischem Bundesamt um 2, 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Kindern werden in Patchworkfamilien adoptiert. Durch eine Veränderung des Adoptionsrechtes könnten sich die Zahlen dieses Jahr jedoch erhöhen. Im März beschloss die Bundesregierung, dass auch ein von einer homosexuellen Person adoptiertes Kind nachträglich von deren Partner oder Partnerin adoptiert werden darf. 

Bethlehem

Ein kleiner Junge wird geboren, sein Vater gibt ihm den Namen Jesus. Er ist genauso runzlig und hilflos wie alle anderen Neugeborenen auch, aber seine Eltern und alle anderen Angehörigen sind der Meinung, er sei die Rettung der Welt.

Das Wetter

Sternenklare Nacht in Levern, der Herrnhuter Stern strahlt aus der Kirche heraus über das ganze Dorf. Die Temperaturen sind mäßig, aber den Herzen wird warm.

Achtung Autofahrer, 5 Kilometer Stau auf der L 770 in beiden Richtungen! Zu viele Menschen wollen den Stiftschor in der Christnacht  hören. Da die Parkplätze der Kirchengemeinde schon früh überfüllt sind, stauen sich die Autos zurück auf alle umliegenden Straßen. Bitte weiträumig umfahren!

Piep, piep. piep.

Ein frohes Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen, hier ist ihr Weihnachtssender Radio 2412 mit dem Exklusivinterview. Heute bei uns zu Gast ist Josepf N mit seinem neuen Buch “Das Kind braucht einen Vater, Memoiren eines modernen Adoptivaters“

Josepf– vielen Dank, dass sie die weite Zeitreise zu uns unternommen haben, willkommen bei uns im Studio!

-Ja, ich danke ihnen für die Einladung!

Sagen Sie, warum haben Sie erst jetzt dieses Buch geschrieben? Nach so vielen Jahren?

-Wissen Sie, ich hatte es einfach satt, dass jeder meint er wisse Bescheid. Wegen so ein paar Versen aus der Bibel…

Stimmen die etwa nicht?

-Doch doch, irgendwie schon. Im Nachhinein. Nur es ist eben sehr kurz, da steht wirklich nur das Allerwichtigste. Und wie oft musste ich mir anhören, ich sei ja schön blöd, der Verlierer der Weihnachtsgeschichte, erst lasse ich mich von meiner Verlobten betrügen, dann heirate ich sie auch noch und zahle doppelt, für sie und das Kind…

Entschuldigen Sie bitte, aber dass ihre Verlobte sie betrügt steht doch gar nicht in der Bibel.

-Nein, aber wissen sie…

Lieber Josepf N., bevor wir hier sofort in die Tiefe gehen,  lassen sie mich doch für unser Hörerinnen und Hörer noch mal vorlesen, was in der Bibel steht.

18 Die Geburt des Messias Jesus geschah so: Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt. Ehe sie zusammenlebten, zeigte sich, dass sie von der heiligen Geistkraft schwanger war. 19 Josef, ihr Mann, war ein gerechter Mensch. Er wollte nicht, dass sie einem öffentlichen Verfahren unterzogen wurde; deshalb nahm er sich vor, sich stillschweigend von ihr zu trennen. 20 Alser dies bei sich erwog, da erschien ihm ein Engel Gottes im Traum und sprach:»Josef, Nachkomme Davids, scheue dich nicht, deine Frau Maria zu dir zunehmen. Das Kind, mit dem sie schwanger ist, kommt von der heiligen Geistkraft. 21 Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Denn er wird sein Volk von seinen Übertretungen der Gebote Gottes retten.“

-Na, da haben Sie aber eine moderne Übersetzung herausgesucht!

Ja, wir geben uns hier ja auch ab und an etwas Mühe. Josepf, was ging eigentlich in ihnen vor, als sie erfuhren, dass Maria schwanger war?

-Ich, Sie müssen wissen, ich habe mich sehr darauf gefreut,dass sie meine Frau wird und das war wirklich völlig unmöglich für mich, was sie mir da erzählte, die Zeit stand still, totaler Schock. Dazu kam ja, sie hat es mir so ruhig erzählt. Es tat ihr nicht leid, sie schämte sich nicht. Sie hat mir einfach nur ruhig erzählt, was jetzt Sache ist. Dass sie ein Kind bekommt, seinen Sohn.

Haben sie sich nicht sofort gefragt, ob sie sie nicht doch betrogen haben könnte?

-Nein. Das hätte sie nie. Halten sie mich für total naiv. Aber dafür war sie nicht der Typ. Und wenn, dann hätte sie dazu gestanden. Nein, Maria hat mich nicht betrogen, das wusste ich sofort. Eher hätte ihr jemand Gewalt angetan. Das war meine erste Sorge. Aber auch die verflüchtigte sich schnell. Ich sehe sie noch heute vor mir. Wie sie da saß,  unversehrt, an Leib und Seele. Sie war im Einklang mit sich und Gott. Und das wäre sie nicht gewesen, wenn sie mich betrogen hätte, sie schaute mich so klar an, diesen Blick den werde ich nie vergessen.

Hatte sie eigentlich gar keine Angst, was da gerade mit ihr geschah und was das für ihre Zukunft bedeuten könnte?

-Nein, den Eindruck hatte ich nicht, aber Maria war sowieso nie richtig ängstlich. Besorgt schon mal, ja aber nicht ängstlich. Was ich merkte, war, dass eine Frage im Raum stand. Ob ich sie jetzt verlassen würde. Ja, ich habe gemerkt, wie sie versuchte mir zu zeigen, dass sie verstehen konnte, was diese Schwangerschaft für mich bedeutete. Sie hat gehofft, ich würde bleiben. Aber sie hat auch gewusst, dass sie mich darum jetzt noch nicht bitten kann.

Sie hat Sie nicht gefragt, was jetzt aus ihrer Verlobung wird?

-Nein, und diese Frage konnte ich in diesem Moment auch gar nicht beantworten. Ich brauchte erstmal Zeit für mich. Und das habe ich ihr auch gesagt, ich fürchte nicht besonders nett, und habe mich dann schnell verabschiedet und bin ich völlig fertig nach Hause gegangen und habe mich hingelegt.  Aber ich konnte nicht schlafen, ich war hellwach.

Und dann hatten sie einen Traum, steht in der Bibel.

-Später, später, das erkläre ich später.

Ok. Was passierte als nächstes?

Ich wurde wütend. Warum passierte gerade mir das? Warum meine Verlobte? Ich war gekränkt. Wenn sie ein Kind bekommt, dann doch bitte von mir! Ich habe mich geschämt, wie sollte ich das den anderen erklären, wie stehe ich denn jetzt da. Wie steht Maria denn da? Ich war besorgt um sie, was würde nur jetzt aus ihr. Und hoffnungsvoll war ich auch immer wieder. Wie sehr habe ich mir gewünscht, es könnte alles beim Alten bleiben… Ich war total durcheinander, von diesem Gefühlskarussell. Irgendwann habe ich mir einfach nur noch gewünscht ganz schnell eine Lösung zu finden, so gequält hat mich das alles.

Konnten Sie mit jemand darüber reden?

-Mit niemanden, nein, ich war ganz allein damit. Immer mal wieder habe ich ein paar Stoßgebete gesprochen. Hilf mir, sag mir, was ich tun soll, Gott. Immer wieder habe ich das gedacht.

Und was hat Gott geantwortet?

-Nichts. Und dann war ich irgendwann so verzweifelt, dass ich mich entschloss, Maria im Geheimen zu verlassen. Das konnte man mit meinem Gewissen vereinbaren. Und damit konnte man sich noch am besten blicken lassen vor den anderen. Die Frau vor ein Gericht zu zerren, das machten nur die Geldgierigen und die herzlosen Oberkorrekten, die Lebensfernen. Außerdem mochte ich Maria doch immer noch!

Sie waren ja richtig verliebt in Maria!

Ja, das war ja das Schlimme daran. Aber ich kann doch keine Frau heiraten, die ein Kind bekommt, das nicht meins ist, habe ich mir immer wieder gesagt. Und für einen Moment tat es so gut, endlich eine Entscheidung gefällt zu haben. Ich war wieder Herr der Lage.

Aber dann geschah das Wunder, oder?

Ja. Ich wurde ganz ruhig. Ich habe mich gefühlt wie früher, wenn meine Mutter mich in den Arm nahm. Alles war gut. Und ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich alles kann.

Entschuldigung, ich glaube ich verstehe sie nicht richtig, reden sie noch von der Erleichterung, eine Entscheidung gefällt zuhaben?

-Nein, nein. Ich kann das auch nur ganz schlecht erklären, aber plötzlich war alles anders, gar nicht mehr schlimm, plötzlich war alles ganz klar, ganz hell.

Der Engel Gottes stand vor Ihnen?!!

-Wenn Sie das unbedingt so sagen wollen… . Aber ehrlicherweise war da eher etwas in meinem Herz, eine Kraft. Und ich wusste auf einmal,  dass eigentlich überhaupt GAR NICHTS dagegen spricht, Maria zu heiraten, obwohl das Kind nicht von mir ist. Ich hatte plötzlich einfach das Gefühl, dass ich sehr gerne der Vater von diesem Kind wäre …

Aber wie ist das denn passiert? Also wie sind sie denn plötzlich darauf gekommen? Das ist doch gegen jede Logik!

-Mag sein, aber ich kann es ihnen auch nicht besser erklären. Für mich war es wie ein Wunder, so als wäre ich gerade Vater geworden.

Also Josepf, jetzt mal ganz ehrlich. Da bin ich jetzt schon ganz schön enttäuscht von Ihnen.

-Worüber? Dass ich Ihnen nicht erklären kann, wie ein Engelaus sieht?

Ja, das auch. Aber viel schlimmer ist ja wohl, dass es vielleicht gar keinen Engel gab, oder?

-Moment, das habe ich nicht gesagt. Ich habe für mich ganz klar eine Botschaft von Gott bekommen. Und ein Engel ist doch nichts anderes als ein Bote. Ich wusste seit der Nacht genau, dass ich der Vater dieses Kindes sein soll. Und dass das Kind ein ganz besonderes Kind ist. Dieses Kind war ein Wunder. Dieses Kind war ein Kind Gottes. Daran habe ich nie gezweifelt und das hat sich  ja dann auch ganz klar gezeigt. Ich meine, warum sitze ich denn hier heute bei Ihnen zum Interview?!

Naja, also, das sind doch alles keine Beweise!

-Nein, und ich kann auch nicht beweisen, dass Maria als Jungfrau schwanger wurde oder als Jungfrau in die Ehe ging. Und wissen sie was? Das brauche ich auch gar nicht!

Aber das steht doch auch im Glaubensbekenntnis! Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria!

-Stimmt. Und das habe ich doch eben versucht zu erklären, warum ich das auch für möglich halte, das steht auch alles ganz ausführlich in meinem Buch. Aber dann eben noch mal anders: Unser Sohn ist ganz sicher nicht ganz von dieser Welt. Das wusste ich schon, als ich ihm den Namen Jesus gab. Er ist was ganz ganz besonderes, er ist anders, heilig nennen die Theologen das. Er war immer mit Gott im Einklang, so wie Maria und noch viel mehr. Wenn die Bibel sagt, er war Gottes Sohn dann trifft es das eigentlich ganz gut. Ich würde das sofort unterschreiben, dass Gottes Blut und Gene in ihm fließen. Je älter er wurde, desto sichtbarer wurde das. Aber er war auch immer mein Sohn. Ich habe ihm die Windeln gewechselt, ich habe auf ihn aufgepasst, so lange und so gut ich konnte. Aber er, er war irgendwie nicht zu retten.

Entschuldigen Sie, aber dieses Interview ist ja wohl nicht zu retten. Wir waren wirklich davon ausgegangen, dass sie als Zeitzeuge, ja sogar als Augenzeuge vielleicht etwas Licht ins Dunkel über die Vaterschaft Jesu bringen können, darüber wer dieses Kind in der Krippe ist.

-Es tut mir leid, dass ich so enttäuschen muss. Fakten und Beweise kann ich ihnen nicht liefern. Nur meine Geschichte.

Ja. Also gut. Dann, dann reden wir halt noch etwas über ihr Buch. Was hat das jetzt mit dem Buchtitel auf sich? „Das Kind braucht einen Vater, Memoiren eines modernen Adoptivvaters“.

-Na, ich wollte meine Geschichte erzählen. Und meine Geschichte ist eben eine Adoptionsgeschichte. Ich bin Josepf. Und das ist das größte Geschenk, was ich je bekommen habe, dass ich der Vater dieses Kindes sein durfte. Das war das Beste, was mir je passiert ist. Dieses kleine Menschenkind in mein Leben und in meine Familie aufzunehmen und ihm zu geben, was es braucht. Das hat meinem Leben einen Sinn gegeben. Endlich habe ich mich auch mit Gott im Einklang gefühlt.

Aha.

-Ja. Und seitdem mache ich Werbung für Adoptionen, ich bin der größte Fan von Adoptionen.Von Kindern aber auch von Erwachsenen.

Könnten Sie das bitte etwas näher erklären?

-Ja, auch wir Erwachsenen haben das nötig. Das uns jemand annimmt, uns aufnimmt und für uns da ist. Jemand, der dazu nicht verpflichtet ist, jemand der das freiwillig macht, gegen jede Logik, aus vollem Herzen.  Es gibt keine größere Liebe als das. Das habe ich durch meinen Sohn gelernt. Er war ja mein Adoptivkind. Mein Sohn war bei mir willkommen. Aber er hat das noch auf ein viel höheres Level gehoben. Bei ihm waren alle willkommen, er hatte für jeden und jede einen Platz. Er hat alle angenommen, das hatte er im Blut, in den Genen, vom Heiligen Geist wenn sie so wollen, aber vielleicht auch ein wenig von mir. Also wenn sie, liebe Hörerin, lieber Hörer,  jetzt vor dem Radio sitzen und sich fragen, was Weihnachten eigentlich soll – meine Antwort wäre – gucken Sie sich um und fragen Sie sich, welcher Mensch von ihnen adoptiert werden muss. Ganz dringend. Für 3 Sekunden, für 3 Minuten, 3 Stunden oder auch länger. Was braucht dieser Mensch, damit er oder sie gut leben kann? Weihnachten ist ein Adoptionsfest. Glauben sie mir, wenn wir einander annehmen wie Adoptiveltern ihre Kinder, dann ist das die größte Liebe von allen.

Amen. Das war jetzt ja fast eine Predigt. Danke Josepf N., dass Sie in unser Radiostudio gekommen sind und uns ihre Sicht erklärt haben.

-Danke, dass ich kommen durfte. Danke für Ihre Geduld, tut mir leid, dass ich…

Ja. Schon gut. Liebe Weihnachtsradiogemeinde, es tut uns leid, aber es bleibt wohl Glaubenssache, das Glaubensbekenntnis, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, da sind wir nur kleine Babyschritte weitergekommen.  Aber an der  Sache mit der Adoption, da bleiben wir dran. Schalten sie auch nächstes Mal wieder ein, dann beschäftigen wir uns mit der Jahreslosung 2015:

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Röm 15,7

Bis dahin, eine stille, heilige Nacht. Ihr Weihnachtsradio 2412 live aus Levern.

Radio ausschalten.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all eure Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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